ANMERKUNGEN UND REGELVARIANTEN

Anmerkungen zu den Spielregeln  

Offizielle Sprachen

Der IFAB veröffentlicht die Spielregeln auf Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. Unterscheiden sich die Versionen im Wortlaut, ist der englische Text massgebend.

Andere Sprachen

Zur Übersetzung der Spielregeln können die nationalen Fussballverbände beim IFAB ([email protected]) die Layoutvorlage der Ausgabe 2021/22 beziehen.

Dem IFAB sind sämtliche Übersetzungen (mit klarem Hinweis auf der Titelseite, dass es sich um die offizielle Übersetzung des jeweiligen Verbands handelt) zuzustellen, damit sie vom IFAB auf seiner Website veröffentlicht und von Dritten genutzt werden können.

Masseinheiten

Bei Abweichungen zwischen Angaben in metrischen und solchen in angloamerikanischen Einheiten sind die Angaben in metrischen Einheiten massgebend.

Anwendung der Spielregeln

In allen Konföderationen, Ländern, Städten und Gemeinden gelten dieselben Spielregeln. Ohne Erlaubnis des IFAB dürfen diese weder abgeändert noch angepasst werden. Davon ausgenommen sind die vom IFAB zugelassenen Regelvarianten (siehe „Allgemeine Regelvarianten“).

 Bei der Schulung von Spieloffiziellen und anderen Beteiligten ist darauf hinzuweisen, dass:

  • die Schiedsrichter die Spielregeln zwecks Förderung von Fairness und Sicherheit im Sinne des Wesens des Fussballs anwenden sollen,
  • alle Beteiligten die Spieloffiziellen und deren Entscheidungen respektieren müssen – im Wissen darum, dass Schiedsrichter Menschen sind und deshalb Fehler machen.

Das Ansehen des Fussballs hängt wesentlich von den Spielern ab. Insbesondere die Spielführer sollten sich dafür einsetzen, dass die Spielregeln und die Entscheidungen der Schiedsrichter respektiert werden.

Anzeige der Regeländerungen

Auf der Website lassen sich die letzten Regeländerungen einblenden, indem auf allen Seiten, die Änderungen erfahren haben, oben rechts auf das entsprechende Icon geklickt wird.

  • Die wichtigsten Regeländerungen sind gelb unterstrichen.
  • Rein sprachliche Änderungen sind grau unterstrichen.
  • Gelöschte Stellen werden als durchgestrichener Text angezeigt.

Allgemeine Regelvarianten 

Die nationalen Fussballverbände haben für bestimmte Fussballkategorien seit jeher einen gewissen Spielraum, um die organisatorischen Spielregeln anzupassen. Der IFAB ist überzeugt, dass die nationalen Fussballverbände aber noch mehr organisatorischen Freiraum haben müssen, um den Fussball vor Ort optimal zu fördern.

Auch wenn für die Austragung und Leitung von Spielen rund um die Welt – ob beim Finale der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ oder bei einem Spiel in einem kleinen Dorf – dieselben Grundregeln gelten müssen, sollte ein nationaler Fussballverband je nach Bedürfnissen vor Ort selbst bestimmen dürfen, wie lange ein Spiel dauert, wie viele Spieler mitmachen dürfen und wie bestimmte Formen unsportlichen Betragens geahndet werden.

Auf einstimmigen Beschluss der 131. IFAB-Jahresversammlung vom 3. März 2017 in London dürfen die nationalen Fussballverbände (sowie die Konföderationen und die FIFA) bei ihren Fussballwettbewerben deshalb alle oder einige der folgenden organisatorischen Spielregeln abändern:

Für den Junioren-, Senioren-, Behinderten- und Breitenfussball:

  • Grösse des Spielfelds
  • Grösse, Gewicht und Material des Spielballs
  • Breite zwischen den Torpfosten und Höhe der Querlatte zum Boden
  • Dauer der beiden (gleich langen) Spielhälften (und der beiden gleich langen Hälften der Verlängerung)
  • Zulassung von Rückwechseln
  • Zeitstrafen (Strafbank) bei einigen/allen Verwarnungen

Für alle Spielklassen mit Ausnahme von Wettbewerben mit den ersten Teams von Vereinen der höchsten Liga oder mit A-Nationalteams:

  • Jedes Team darf bis zu fünf Auswechslungen vornehmen. Im Juniorenfussball wird die maximal zulässige Zahl vom nationalen Fussballverband, von der Konföderation oder der FIFA bestimmt.

Darüber hinaus bewilligte die IFAB-Jahresversammlung folgende Änderungen zu den Fussballkategorien, damit die nationalen Fussballverbände zur Unterstützung und Förderung des nationalen Fussballs mehr Spielraum haben: 

  • Der Frauenfussball gilt nicht länger als separate Kategorie und geniesst folglich denselben Status wie der Männerfussball.
  • Für Junioren und Senioren dürfen die nationalen Fussballverbände, die Konföderationen und die FIFA die massgebenden Altersbeschränkungen selbst festlegen.
  • Die nationalen Fussballverbände bestimmen selbst, welche Wettbewerbe in den untersten Stufen des Fussballs zum Breitenfussball gehören.

Zulassung weiterer Varianten

Regelvarianten müssen weder flächendeckend sein noch für alle gelten. Nationalen Fussballverbänden steht es deshalb frei, je nach Wettbewerb unterschiedliche Varianten zuzulassen. Alle weiteren Varianten müssen jedoch vom IFAB bewilligt werden. 

Die nationalen Fussballverbände müssen dem IFAB mitteilen, welche Varianten auf welchen Stufen angewandt werden, damit der IFAB – insbesondere anhand der Gründe für diese Varianten – Möglichkeiten und Strategien zur Fussballförderung in anderen nationalen Fussballverbänden erkennen kann.

Der IFAB ist zudem offen für weitere Regelvarianten, die die Beteiligung am Fussball steigern sowie die Sportart noch attraktiver machen und weltweit weiter fördern könnten.

Leitlinien zu Zeitstrafen

Bei der 131. IFAB-Jahresversammlung am 3. März 2017 in London wurden im Junioren-, Senioren-, Behinderten- und Breitenfussball für alle oder einige Verwarnungen Zeitstrafen zugelassen, sofern der nationale Fussballverband, die Konföderation oder gegebenenfalls die FIFA für den fraglichen Wettbewerb seine bzw. ihre Zustimmung erteilt.

Auf Zeitstrafen wird in folgender Regel verwiesen:

Regel 5. Schiedsrichter > 5.3 Rechte und Pflichten – Disziplinarmassnahmen 

Der Schiedsrichter hat die Befugnis, ab dem Betreten des Spielfelds zwecks Spielbeginn bis zum Verlassen des Spielfelds nach dem Spiel, einschliesslich während der Halbzeitpause, der Verlängerung und des Elfmeterschiessens, gelbe und rote Karten zu zeigen und, wenn es die Wettbewerbsbestimmungen zulassen, einen Spieler mit einer Zeitstrafe vorübergehend vom Spiel auszuschliessen.

Eine Zeitstrafe erfolgt, wenn ein Spieler ein verwarnungswürdiges Vergehen begeht und dafür sofort vorübergehend vom Spiel ausgeschlossen wird. Dank ihrer sofortigen Wirkung können Zeitstrafen das Verhalten des fehlbaren Spielers und möglicherweise seines ganzen Teams unmittelbar positiv beeinflussen.

Der nationale Fussballverband, die Konföderation oder die FIFA sollte in den entsprechenden Wettbewerbsbestimmungen ein Zeitstrafenprotokoll mit folgenden Richtlinien erlassen:

Nur für Spieler

  • Zeitstrafen gelten für alle Spieler (einschliesslich Torhüter), die ein verwarnungswürdiges Vergehen begehen, mit Ausnahme von Auswechselspielern und ausgewechselten Spielern.

Zeichen des Schiedsrichters

  • Der Schiedsrichter signalisiert eine Zeitstrafe, indem er dem fehlbaren Spieler die gelbe Karte und dann mit beiden Arm zur Strafbank zeigt, die sich in der Regel in der technischen Zone des betreffenden Spielers befindet.

Dauer der Zeitstrafe

  • Für jedes Vergehen dauert die Zeitstrafe gleich lange.
  • Die Zeitstrafe sollte 10–15 % der gesamten Spielzeit dauern (z. B. 10 Minuten bei einem 90-minütigen Spiel, 8 Minuten bei einem 80-minütigen Spiel).
  • Die Zeitstrafe beginnt, wenn das Spiel fortgesetzt wird, nachdem der fragliche Spieler das Spielfeld verlassen hat.
  • Der Schiedsrichter sollte in die Zeitstrafe die Zeit einrechnen, die am Ende einer Halbzeit wegen Unterbrechungen (Auswechslungen, Verletzungen etc.) nachgespielt wird.
  • Die Wettbewerbsorganisatoren entscheiden, wer dem Schiedsrichter beim Stoppen der Zeitstrafen hilft, z. B. ein Delegierter, der vierte Offizielle, ein Schiedsrichterassistent oder allenfalls ein Teamoffizieller.
  • Nach Ablauf der Zeitstrafe darf der Spieler von der Seitenlinie aufs Spielfeld zurückkehren, sobald der Schiedsrichter die entsprechende Erlaubnis erteilt hat, was auch bei laufendem Spiel möglich ist.
  • Wann ein Spieler zurückkehren darf, entscheidet allein der Schiedsrichter.
  • Ein Spieler, der eine Zeitstrafe verbüsst, darf erst nach Ablauf seiner Zeitstrafe ausgewechselt werden (sofern sein Team dessen Auswechselkontingent noch nicht ausgeschöpft hat).
  • Wenn eine Zeitstrafe am Ende der ersten Halbzeit (oder am Ende der zweiten Halbzeit im Falle einer Verlängerung) noch nicht abgelaufen ist, muss der Rest zu Beginn der zweiten Halbzeit (bzw. der Verlängerung) verbüsst werden.
  • Ein Spieler, dessen Zeitstrafe am Ende des Spiels noch nicht abgelaufen ist, darf am Elfmeterschiessen teilnehmen.

Strafbank

  • Ein Spieler muss eine Zeitstrafe innerhalb der technischen Zone (sofern vorhanden) oder beim Trainer/technischen Stab seines Teams verbüssen, es sei denn, er hält sich für den weiteren Einsatz warm (wobei die gleichen Bedingungen gelten wie für das Aufwärmen der Auswechselspieler).

Vergehen während einer Zeitstrafe

  • Ein mit einer Zeitstrafe belegter Spieler, der während seiner Zeitstrafe ein verwarnungs- oder feldverweiswürdiges Vergehen begeht, wird endgültig vom Spiel ausgeschlossen und darf weder ersetzt noch ausgewechselt werden.

Weitere Disziplinarmassnahmen

  • Die Wettbewerbsorganisatoren oder nationalen Fussballverbände entscheiden, ob Zeitstrafen den zuständigen Instanzen zu melden sind und weitere Disziplinarmassnahmen verhängt werden können (z. B. Sperre bei einer bestimmten Anzahl Zeitstrafen wie bei Verwarnungen).

Systeme für Zeitstrafen

  • Bei einem Wettbewerb darf für Zeitstrafen nur eines der folgenden Systeme eingesetzt werden:
    • System A: bei allen Verwarnungen
    • System B: bei bestimmten Verwarnungen

System A: Zeitstrafen bei allen Verwarnungen

  • Alle verwarnungswürdigen Vergehen werden mit einer Zeitstrafe geahndet.
  • Ein Spieler, der im selben Spiel zum zweiten Mal verwarnt wird:
    • erhält eine zweite Zeitstrafe und wird nach ihrem Ablauf vom Spiel ausgeschlossen,
    • darf nach Ablauf der zweiten Zeitstrafe durch einen Auswechselspieler ersetzt werden, sofern sein Team das Auswechselkontingent noch nicht ausgeschöpft hat (weil das Team mit der zweimaligen Unterzahl während der Zeitstrafen bereits bestraft wurde).

System B: Zeitstrafen bei bestimmten Verwarnungen*

  • Nur bestimmte verwarnungswürdige Vergehen werden mit einer Zeitstrafe geahndet.
  • Alle anderen verwarnungswürdigen Vergehen werden mit einer Verwarnung bestraft.
  • Ein Spieler, der nach einer Zeitstrafe verwarnt wird, darf weiterspielen.
  • Ein verwarnter Spieler, der eine Zeitstrafe erhält, darf nach Ablauf der Zeitstrafe weiterspielen.
  • Ein Spieler, der im selben Spiel zwei Zeitstrafen erhält, wird nach Ablauf der zweiten Zeitstrafe vom Spiel ausgeschlossen und darf durch einen Auswechselspieler ersetzt werden, sofern sein Team das Auswechselkontingent noch nicht ausgeschöpft hat und der auszuschliessende Spieler nicht auch noch eine Verwarnung ohne Zeitstrafe erhalten hat.
  • Ein Spieler, der im selben Spiel zum zweiten Mal verwarnt wird, wird des Feldes verwiesen und vom Spiel ausgeschlossen. Er darf weder ersetzt noch ausgewechselt werden.

*Für einige Wettbewerbe kann es sinnvoll sein, Zeitstrafen auf verwarnungswürdige Vergehen zu beschränken, die allein das Verhalten betreffen wie: 

  • Simulieren,
  • absichtliches Verzögern der Spielfortsetzung durch das gegnerische Team,
  • Protestieren, verbale Äusserungen oder Gesten,
  • Verhindern oder Unterbinden eines aussichtsreichen Angriffs durch Halten, Ziehen, Stossen oder Handspiel,
  • unzulässiges Antäuschen bei der Ausführung eines Strafstosses durch den Schützen.

Leitlinien für Rückwechsel

Auf Beschluss der 131. IFAB-Jahresversammlung vom 3. März 2017 in London sind im Junioren-, Senioren-, Behinderten- und Breitenfussball Rückwechsel zulässig, sofern der nationale Fussballverband, die Konföderation oder gegebenenfalls die FIFA für den fraglichen Wettbewerb seine bzw. ihre Zustimmung erteilt.

Auf Rückwechsel wird in folgender Regel verwiesen:

Regel 3. Spieler
3.2 Anzahl Auswechslungen – Rückwechsel

  • Rückwechsel sind nur im Junioren-, Senioren-, Behinderten- sowie Breitenfussball und nur mit der Erlaubnis des jeweiligen nationalen Fussballverbands, der Konföderation oder der FIFA zulässig.

Bei einem Rückwechsel darf ein Spieler, der beim fraglichen Spiel bereits eingesetzt und dann ausgewechselt wurde (ausgewechselter Spieler), für einen anderen Spieler wieder aufs Spielfeld zurückkehren. 

Abgesehen davon gelten für Rückwechsel alle massgebenden Bestimmungen von Regel 3 und der Spielregeln. Es ist insbesondere der in Regel 3 festgelegte Auswechselvorgang einzuhalten.